Spielbericht: Dortmund Wolverines (Herren) vs. Kassel Raccoons

Lacrosse Sport Dortmund TSC Eintracht Wolverines

 

Die Wolverines müssen wegen der Umbaumaßnamen auf dem TSC Eintracht Gelände ihr angestammtes Jagdrevier verlassen und ziehen weiter zum Rasenplatz am Max-Planck-Gymnasium, wo sie die Kassel Raccoons am vergangenen Samstag empfangen.

 

Die Wetterlage passt zum allgemeinen Stimmungsbild der Vielfraße – es ist kalt, grau und es regnet. Kassel hat in seinen vorherigen zwei Spielen mit insgesamt 38 erzielten Toren ordentlich vorgelegt und der Dortmunder Optimismus ist vor dem Spiel gedämpft...

 

Pünktlich zur Aufwärmphase klart der Himmel auf, die Sonne kommt durch und erwärmt die Gemüter. Innerhalb der Mannschaft wird schnell klar, dass die Konzentration heute deutlich über dem Level des vergangenen Spieltages liegt. Um kurz nach 15:00 Uhr wird die Partie eröffnet und was sich beim Aufwärmen angedeutet hat, setzt sich während des ersten Viertels fort: die gesamte Mannschaft ist konzentriert bei der Sache und lässt sich nicht einschüchtern. In der Offensive fehlt zunächst noch der richtige Schlüssel, um die Kasseler Abwehr zu knacken. Die Defensive arbeitet hart und kann in der Folge vermeiden, dass die Raccoons ihrerseits ein Tor erzielen. Nach fast zehn Minuten gelingt es den Kasselern dennoch als erstes auf dem Scoreboard zu erscheinen. Wer denkt, damit sei der Knoten für die Gäste geplatzt, der wird in den folgenden Minuten eines Besseren belehrt. Dortmund setzt seine kontrollierte Spielweise fort und gleicht in der 19. Minute durch Julian Bonnet aus. Das erste Quarter wird mit einem Unentschieden beendet.

 

Der zweite Durchgang unterscheidet sich kaum vom ersten: Kassel kann sich nicht eindeutig im Angriff festsetzen, schafft es in der 28. Minute aber trotzdem wieder in Führung zu gehen. Langsam keimt bei den Wolverines die Hoffnung. Das Jagdrevier muss nicht zwangsläufig an eine Horde Waschbären abgetreten werden. Eine Man-Up-Phase bringt die Dortmunder Middie-Line dazu die Schussstatistik nach oben zu treiben, was zuerst aber eher dem Fangzaun schadet, als den Gästen. Nach dem Motto „Viel hilft viel“, nimmt sich Julian Bonnet noch im selben Angriff einen Schuss, der dann seinen Weg ins Netz findet. Erneuter Ausgleich und Halbzeitstand 2:2.

 

Der Dortmunder Coach Nils Butterweck findet in der Halbzeitpause die richtigen Worte, um seinem Team die bisherige Leistung vor Augen zu führen. Das erwartete Schützenfest für Kassel bleibt aus, die Konzentration stimmt und die Motivation steigt mit jeder Minute. Hier ist was möglich! Die Hoffnung schlägt mittlerweile feste Wurzeln. Der dritte Spielabschnitt ist deswegen durch maximalen Einsatz geprägt und zwar auf beiden Seiten. Das Quarter geht torlos zu Ende und ist gleichzeitig das mit den meisten Strafzeiten.

 

Im Schlussabschnitt ist beiden Mannschaften klar, dass es jetzt um die goldene Currywurst geht, wenn man das bereitgestellte Feierabendbier als Sieger genießen will. Es vergehen nach dem Wiederanpfiff nur 69 Sekunden bis Felix Hohaus den Weg vor das gegnerische Tor findet und den Ball versenken kann. Die erste Führung des Spiels für die Wolverines! Der Schlagabtauscht nimmt Fahrt auf. Zwei Minuten später kann Kassel ausgleichen. Von der vermeintlichen Underdog-Rolle haben sich die Wolverines zu diesem Zeitpunkt längst befreit und das Rudel wird von Nils Butterweck dirigiert, als gäbe es keinen Morgen mehr. Alles scheint ineinander zu greifen und Florentin Rößiger kann mit einem Pass Hendrik Kleene vor dem Kasseler Tor in Stellung bringen. Der Mob tobt, Dortmund führt erneut! Nun wird durch die Raccoons eine Phase eingeläutet, die beim TÜV für Freudentränen gesorgt hätte: Stick-Check! Der Versuch das Führungstor für ungültig erklären zu lassen scheitert. Weiter geht’s. Kassel setzt nach und erzielt in der 76. Spielminute den Ausgleich. Die Folge kann nur eine sein: Stick-Check! Und siehe da, die Refs sind mit dem Stick des Torschützen unzufrieden. Was als taktisches Mittel begann, stellt sich nun als Nachteil für die Raccoons heraus und es bleibt bei der alten Führung. Die Uhr läuft ohne Unterlass und es wird sich nichts mehr geschenkt. Die 79. Minute ist fast vorbei, da bringen die Kasseler den Ball erneut im Netz unter. Was bisher so gut für Dortmund funktionierte, das kann nicht falsch sein: Stick-Check! Diesmal ist alles in Ordnung. Nach dem Ausgleich bleibt kaum noch Zeit, um die Overtime zu verhindern. Nach der erneuten Unterbrechung sind die Dortmunder wieder schneller zurück im Spiel und es dauert nur 10 Sekunden, da klingelt es erneut im Kasseler Kasten. Julian Bonnet setzt sich durch wie ein geölter Blitz und sorgt dafür, dass dem Gegner 52 Sekunden vor Schluss der Partie der Schreck ins Waschbärfell fährt. Die Sensation ist zum Greifen nahe! Alle sind hochkonzentriert. Der vorletzte Schuss auf das Tor von Menno Esen geht bedrohlich nahe am Pfosten vorbei. Nur noch 5 Sekunden bis zum Abpfiff. Die Kasseler bringen den Ball wieder ins Spiel und versuchen den Dortmunder Goalie von rechts aus nächster Nähe in Verlegenheit zu bringen. Esen bildet eine Wand, bei der Trump blass werden würde. Gamesafer, der Ball prallt ab, es wird irgendwie versucht ihn nicht wieder in Kassler Stick-Nähe kommen zu lassen…Abpfiff!

 

Was zu Beginn undenkbar schien, ist geschafft. Der erste Saisonsieg gegen den bisher eindeutigen Tabellenführer ist eingefahren. Grundlegende Elemente, die gegen Bochum fehlten, waren nun vorhanden und verhalfen der Mannschaft zu einem Spiel, in dem kein einziges Quarter verloren wurde. Zum Abschluss vielen Dank an die Kassel Raccoons für die stets faire Partie und auch an die Refs aus Aachen.

 

Endstand: 5:4 (1:1, 1:1, 0:0, 3:2)

ToreJulian Bonnet (19., 35., 80.), Felix Hohaus (62.), Hendrik Kleene (69., Assist: Florentin Rößiger)

 

Nächstes Spiel: 22.10.16 in Dortmund gegen Paderborn Hornets